Meine Andenken.

Ich wollte mal wieder was ansprechen.

Und zwar die Reaktion wenn jemand hört, dass ich Krebs hatte. „Oh wow krass, jetzt ist aber alles gut?“ oder „Oh du bist aber jetzt gesund?“. „Und wie ist das jetzt so?“. Jeder erwartet, dass ich anders bin als andere. Irgendwie nicht komplett? Nicht voll funktionstüchtig? Eingeschränkt? Und ich finde das immer irgendwie.. lustig. Weil so für mich bin ich komplett normal. Gesund und normal wie alle anderen. Als wäre nie was geschehen. Aber wenn ich mal darüber nachdenke stimmt das nicht. Und das wird mir jetzt beim studieren bewusst. Nicht, weil ich eingeschränkt bin. Ich kann alles so machen wie alle anderen. Aber viele „Nebenwirkungen“ oder auch „Überbleibsel“ habe ich so nicht wahrgenommen. Oder eher: ich habe gelernt damit zu leben. Es ist jetzt nunmal so. Kann man nichts machen. Es sind jetzt nunmal meine Andenken. Die ich jeden Tag mit mir rum trage.

Dazu gehören diese zwei kleinen knubbeligen Narben die mein Dekolleté zieren. Da guckte für die Zeit der Therapie und auch danach noch ne kurze Zeit ein Schlauch raus. Den hab ich euch hier schonmal gezeigt.

Die Narben haben mich aber nie gestört.

Der Haarausfall während der Therapie war für mich nie ein Problem. Gehört dazu, ist halt so, ist ja auch wieder nachgewachsen. Als Krebs-Kind muss man nicht hübsch sein. Auch wenn ich ja 14 war und man in dem Alter unbedingt hübsch sein will. Ich wollte Leben. Ich war da halt gezwungenermaßen anders. Hatte andere Prioritäten.

Aber eine Sache, die ich erst jetzt wirklich benennen kann ist das exogene Cushing-Syndrom. Was das ist und woher das kommt? Das kommt von einer hochdosierten Langzeitbehandlung mit Glucocorticoiden. Cortison. Mein ständiger Begleiter damals. Von den täglich >30 Tabletten waren das ein paar. Und was passiert da?

Es gibt ein paar nette Symptome, die man alle nicht haben will. Zum Beispiel ein Vollmondgesicht, Stammfettsucht, Striae densae durch dünne Haut (Dehnungsstreifen), Muskelatrophie, diabetische Stoffwechsellage, euphorie&dysphorie&deppression im Wechsel. Achja und Wachstumsminderung (bin seit dem nicht mehr gewachsen).

Die diabetische Stoffwechsellage hat mein Körper lustiger Weise damit ausgeglichen, dass ich nichts süßes mehr essen konnte. Ich habe nur noch salzig gegessen. Von Zucker wurde mir schlecht. Wir waren einmal bei meiner Oma zu Besuch, da gab es Kaffee und Kuchen. Und was habe ich gegessen? Eine Nudelsuppe. Ich habe quasi nur Nudelsuppe und Frühlingsrollen gegessen. Rund um die Uhr.

Das mit der Muskelatrophie war bei mir besonders ausgeprägt. Ich konnte kaum noch laufen. Vom Klo selbst aufstehen? Nicht möglich. Treppen? Nicht denkbar! Vom Bett aufstehen? Hinknien, zu einem Stuhl „krabbeln“ und mich daran hoch ziehen. Ihr glaubt gar nicht wie verdammt anstrengend so ne Physiotherapie im Bett sein kann. Schon das Bein anheben ging nur mit Unterstützung.

Dieses psychische Zeug war damals aber das schlimmste. Und irgendwie kann man das auch schlecht beschreiben. Und es tut mir heute noch weh, dass ich teilweise gemein war zu Menschen, die für mich da waren. Ich weiß dass ich nicht viel dafür konnte, aber irgendwie ist das schwer zu begreifen. Gerade jetzt, wo ich klar bin.

Und wie ihr euch denken könnt ist das alles jetzt weg. Ich kann laufen, ich bin nicht mehr psychisch am durchdrehen, ich esse wieder süßes. Auch die Stammfettsucht geht weg. Auch wenn ich immer noch die Proportionen habe, dass ich dünne Unterschenkel habe aber Richtung Stamm hin pummelig bin. Ob das einfach schlecht weg geht und jetzt eben so ist oder einfach meine natürlichen Proportionen sind, who knows. Ist auf jeden Fall blöd fürs Hosen kaufen!

Aber, und darüber rede ich echt eigentlich nicht so gerne, eine Sache dieser Nebenwirkungen geht nunmal nicht weg. Egal was ich tue. Egal wie viel ich abnehmen würde. Egal wie durchtrainiert ich wäre. Und klar ist das nichts schlimmes. Klar kommt das nach einer Schwangerschaft sowieso. Klar haben das viele die dick waren/sind. Aber schon als 14 jähriges Mädchen. Und zwar nicht „selbstverschuldet“. Bei diesen Gesprächen darüber, dass man wenn man schwanger ist keine bekommen will. Oder dass irgendwann die Brüste nicht mehr so schön sind. Tja, vorher habe ich es nicht wertgeschätzt. Ich war ja erst 14. Und danach war es „kaputt“.

Ja ich lebe und es gibt schlimmeres. Und jetzt sehe ich das auch sehr nüchtern und weiß, dass es wichtigeres gibt als einen tollen Körper. Bodypositivity hat für mich halt eine ganz eigene Bedeutung.

Aber damals. Ich war dann 15. Damals war es sehr schwer für mich das zu akzeptieren.

Was ich damit sagen will:

Du bist so wie du bist. Und daran wirst du wenig ändern können. Aber das ist auch vollkommen okay so. Du bist gut so wie du bist. Du bist perfekt so. Und alle deine Makel machen dich perfekt. Du musst nicht so sein wie andere. Und nur weil jemand anderes schön ist und du eben ganz anders aussiehst heißt dass nicht dass du nicht auch wunderschön bist! Und es ist auch nicht schlimm wenn du das jetzt nicht siehst. Auch wenn du dich jetzt schrecklich findest, es wird besser. Du kannst daran arbeiten. Manchmal dauert es.

Das ganze ist jetzt 8 Jahre her. Und ich bin soweit, dass ich mich ok finde. Weiter bin ich auch noch nicht.

Und du wirst es auch so weit schaffen. Wenn nicht sogar weiter.

So, Schluss mit dem Quatsch.

Ich hoffe ihr habt meinen Standpunkt verstanden!

eure medi.miri

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Meine Andenken.

„Wieso Medizin?“

Mal wieder was ernsteres. Ich schreibe jetzt über etwas, das ich so noch nie ausgesprochen habe. Ich rede immer drum herum. Will mich da auch tatsächlich noch nicht festlegen. Ich weiß ja gar nicht was ich alles tolles tuen kann. Aber es gibt da so einen Gedanken in meinem Hinterkopf. So ein kleiner Funken, der mich funktionieren lässt. Es ist mir immer noch ein wenig peinlich weil es so furchtbar klischeehaft ist. Irgendwie sagt doch jeder „weil ich Menschen retten will“ blahblah. Was ja auch ein nobler Gedanke ist. Aber bei mir ist es eben nicht nur das. Es ist auch schlicht und einfach ein großes Interesse. Ich finde es toll zu wissen wie der Körper funktioniert. Und deshalb finde ich auch Krankheiten faszinierend. Ganz nüchtern betrachtet. Und doch ist da immer dieser Gedanke. Wofür werde ich Ärztin? Und das ist ganz einfach. Nicht um einfach Menschen zu retten. Irgendwie. Nicht um ne tolle Ärztin zu sein. Nicht um stolz auf mich zu sein. Nicht um meine Familie stolz zu machen. Irgendwie. In meinem Kopf ist dieses Jucken. Und dieser Wunsch klingt vielleicht genau so naiv wie mein Traum ins All zu fliegen. Aber irgendwie. Ich bin näher dran. Es ist greifbarer. Zumindest mitzuhelfen. Ich will, dass niemand mehr an Krebs sterben muss. Ich will jeden Krebs heilen. Ganz einfach und doch so unrealistisch. Aber wo wären wir jetzt wenn jeder so gedacht hätte? Es klappt eh nicht? Ich als kleine Miri schaffe das sowieso nicht? Und wenn schon! Dann heile ich ein paar, helfe Leuten durch die schwere Zeit. Setze Meilensteine. Fange irgendwo an.

Und deshalb kann ich mir auch irgendwann ein Wechsel in die Forschung vorstellen. Ich möchte erreichen, dass alle, so wie ich, die scheiße Überleben und hinterher darüber berichten können. Um anderen Mut zu machen. Die das dann auch überstehen werden. Weil wir jeden Krebs heilen können. Auch die fiesesten Arschloch-Tumore. Es ist einfach nicht fair, dass ich so ein scheiß Glück hatte und andere nicht. Manchmal schäme ich mich dafür. Wieso ich? Nicht „wieso bin ich krank geworden“. Sondern „wieso hab ich das überlebt und andere sterben?“ Ich habe es nicht mehr verdient als andere. Und das macht mich traurig und wütend. Und ich muss mich doch bedanken? Ich muss doch irgendwie machen, dass es einen Sinn hatte dass ich überlebt habe? Ich kann doch nicht nichts tun. Andere, die vielleicht die Welt verändert hätten sind gestorben. Und ich? Ich muss sie rächen. Ihr Tod darf doch nicht sinnlos sein. Mein Leben muss etwas wert sein. Und das klingt verdammt naiv. Aber es ist eben nur dieser Gedanke. Dieser Gedanke der mich antreibt. Niemand soll mehr deswegen sterben. Das fühlt sich an wie meine Baustelle. Und wer weiß? Vielleicht hört ihr mal von einer Miriam, der Miriam, die was großes erreicht hat. Und dann, wenn ich eine Rede halten soll, dann werde ich allen Danken, die den Kampf verloren haben. Es war nicht umsonst.

Meine Baustelle. Es gibt so viele Baustellen in der Medizin, auf der ganzen Welt. Ich kann nicht jede Baustelle lösen. Ich kann vermutlich nicht mal eine beenden. Doch ich kann mir eine vor nehmen und daran arbeiten. Ich kann anfangen. Ich kann helfen. Helfen eine Baustelle weiter zu bringen.

Wieso? Weil mir jeder Betroffene einen Stich versetzt. Und jeder Tote wie ein Schlag ins Gesicht ist. Oder eher wie ein Tritt in den Hintern. Denn es ist, als wären Verbündete gestorben. Und ich habe sie im Stich gelassen. Ich habe überlebt. Und das will ich nicht einfach so gedankenlos hin nehmen. Ich will dieses Leben nutzen. Irgendwas erreichen. Und wenn es noch so klein ist. Ist es nicht „nichts“.

Und wer weiß ob ich später wirklich an dieser Baustelle arbeite. Aber im Moment treibt mich genau das an. Und wieso sollte ich das nicht nutzen?

Es ist mir wirklich ein bisschen peinlich. Und soll jetzt auch niemanden angreifen, der wie ich das ganze überlebt hat und jetzt einfach nichts mehr damit zu tun haben will im Leben. Das verstehe ich vollkommen. Es geht nur um meinem Antrieb. Und meine Gedanken. Ganz einfach.

Ich bin der Medizin so schrecklich dankbar. Deshalb bin ich da wo ich bin. Dankbarkeit. Und ich möchte etwas zurück geben. Meinen Teil beitragen.

Deshalb rede ich übrigens auch so „gerne“ und viel darüber. Weil ich mir einbilde, dass ich dem ein oder anderen damit helfen kann. Oder zumindest aufklären kann. Damit das nicht mehr so ein verschwiegenes Gespenst ist. Sondern jeder weis, was Sache ist. Denn es kann jeden treffen.

Wer sich bis hier hin meine wirren Gedanken angetan hat: Danke. ♥️

eure medimiri

„Wieso Medizin?“

Ich war mal krank, na und?

Manch einer mag sich vielleicht fragen „wieso redet die so oft darüber?“. Wieso muss die das so an die große Glocke hängen? Für mein Empfinden tue ich das nicht. Für mich ist das wie darüber zu reden, wo man schon alles im Urlaub war. Vielleicht ein unglücklicher Vergleich, da das eine doch eher ein negativer Punkt im Leben und das andere ein positiver war. Doch das Ergebnis ist vergleichbar. Eine Sache, die mich irgendwie, irgendwo beeinflusst hat. Meinen Lebensweg mit bestimmt hat. Meinen Charakter geformt hat. Ich kann glücklich sein. Ich bin jetzt gesund. Und die Chancen stehen gut, dass ich das auch bleibe. Natürlich besteht, wie bei jedem anderen das Risiko, dass ich doch nochmal irgendwann krank werde. Es läuft nicht so „wer einmal dran war ist raus aus der Sache“. Eher wer einmal dran war kann Pech haben dass sich in irgendeinem Winkel des Körpers doch noch was versteckt hat. Klein, böse, hinterhältig. Aber dieses Risiko ist nach 5 Jahren recht klein. Und die habe ich ja schon hinter mir. Also Toi Toi Toi, dass alles so bleibt.

Ich bin oft recht Zwiegestalten, was ich davon halten sollte, wie manche ihre Krankheit in die Öffentlichkeit tragen. Nicht, weil ich das schlecht finde. Ganz im Gegenteil. Viele haben keine Ahnung von Krebs. Sehen immer nur das schlimme. Den Tod. Den Schmerz. Und ich will damit nicht sagen, dass das alles falsch wäre. Krebs ist scheiße und gemein. Aber es ist eben nicht nur so. Und da finde ich muss aufgeklärt werden. Wieso denn auch nicht? Es ist eine Krankheit die so viele Betrifft. Wieso sollte dann nicht jeder ansatzweise darüber Bescheid wissen? Allerdings sehe ich die Tendenz, dass das Bild der starken Kämpfer, der positiven Momente, der wunderschönen Glatzköpfe an die Öffentlichkeit getragen wird. Und das ist auch falsch. Das läuft so nicht ab. Zumindest war es bei mir nicht so. Falls es bei manchen doch so ist, ist das toll! Wirklich, ich freue mich für jeden, der da vollkommen positiv durch marschiert. Immer das gute sieht. Aber daran glaube ich nicht. Und ich bin gesund, mich regt sowas nur nebenbei auf. Aber ich weiß, dass mich solche Eindrücke in der Zeit wo ich krank war nicht motiviert hätten. Sie hätten mir ein schlechtes Gewissen gemacht. Die leben ihr Leben weiter? Sehen toll aus? Sind aktiv? Und ich? Liege hier wie so n undankbares dummes Stück scheiße, das einfach keinen Bock mehr auf den ganzen Scheiß hat. Jetzt weiß ich, dass es eben solche und solche Tage gibt. Es gab Tage, an denen war ich motiviert, habe mit den kleineren gebastelt, habe meine kleine Freundin mit ihrem Infusionsständer an Fasching durch die Station geschoben. Und es gab Tage, da war ich ein Arschloch. Ich habe meine Situation gehasst. Habe mich gehasst. Ich habe mich hässlich gefühlt, eklig, kaputt. Niemand konnte mir was recht machen. Ich war gemein zu den Menschen, die nur mein besten wollten. Die sich um mich gesorgt haben. Und das tut mir heute noch so verdammt leid. Aber so läuft das nunmal auch.

Und trotzdem finde ich auch, dass das ganze zu sehr dramatisiert wird. Ja, ich kann mich nicht entscheiden, was? Mein Problem mit der ganzen Sache ist, dass Krebs nicht gleich Krebs ist. Und das verstehen auch hauptsächlich nur die, die damit zu tun haben. Ich zum Beispiel hatte so verdammt Glück. Meine Prognose war 90%. Zu 90% überlebe ich das ganze. Mal schauen wie ich die Chemos Verträge, aber wenn alles gut läuft. Und es lief alles gut. Alles super. Langweilig, oder? Diese popeligen 10% sind zwar da, aber wen interessieren die schon? Und dann gibt es die, bei denen das umgekehrt ist. Bei denen die 10% das sind, an denen sie sich verzweifelt Klammern müssen. Denn mehr haben sie nicht. Und ich, so als 90% Mädchen. Ich werde mich hüten zu plakatieren, wie stark ich doch bin. Denn sich an 90% fest halten ist nicht stark. Man hat ja eh keine andere Wahl. Man geht da halt durch. Und macht das halt. Sich an 10% fest zu halten. Das ist stark. Man hat da zwar auch nicht die Wahl, wie man überleben will. Man hat nur die Wahl, versuche ich die 10%, oder lasse ich es? Denn dann ist das Schmerz und Leid und Arbeit für 10%. Nicht für 90%. Und das ist dann kein spannendes, starkes, beeindruckendes Leben. Voller Positivität und miteinander. Sondern auch ein gute Tage und schlechte Tage.

Vielleicht ist es von Social Media zu viel verlangt. Aber wenn man sein Leben teilt, dann doch bitte richtig. Und dann sag auch, dass es nicht immer toll ist. Für die, denen es so geht wie dir. Für die, die dir dann beistehen. Die zu dir auf sehen. Die denken, sie müssten so sein wie du. Und das appelliere ich an jeden.

So. Ich habe ein paar Fragen bekommen. Und die möchte ich beantworten.

Kannst du dich noch gut an die Zeit erinnern (auch emotional)?

Naja. Also vieles ist irgendwo irgendwie weg. Verdrängt vielleicht? Überschrieben? Ich weiß es nicht. Aber ich war 14. So lange ist das nun auch wieder nicht her. Ich kann mich schon noch gut erinnern. Und zwar ganz besonders an die emotionalen Dinge. Am emotionalsten an die eine Sache. An die, wo ich nicht mehr laufen konnte. Also ich könnte schon laufen. Vorwärts. Treppen waren alleine jedoch unbezwingbar. Ich konnte gerade so mit den Armen ein Bein so hoch heben, dass es auf der Stufe steht. Doch die Kraft um den restlichen Körper nach oben zu stemmen hat gefehlt. Ganz besonders unangenehm war das beim Toilettengang. Ich musste meinen Urin sammeln. Also ne Bettpfanne in die Toilette. Drauf setzen und in die Pfanne pinkeln. Dann das ganze neben die Toilette stellen. Das Pfanne hoch und aufs Klo ging gerade so. Aber die Pfanne vom Klo runter ohne was zu vertippen? Und das aus der Hocke wieder hoch? Alleine? No way. Sowas raubt einem einen Stück weit die Würde. Man fühlt sich einfach peinlich. Mehr nicht. Und darüber zu sprechen ist mir am längsten schwer gefallen. Nicht, dass ich es nicht getan hätte. Ich habe von Anfang an offen über alles geredet. Aber mein gegenüber musste damit rechnen, dass ich ein paar Tränchen verdrückt habe. Nicht weil ich traurig war. Einfach, weil ich emotional war.

Ob ich auch mal Monate am Stück im Krankenhaus war?

Nein. Das längste waren glaube ich 3 Wochen. Ich war nur sehr oft im Krankenhaus. Immer mal nen Tag. Jeden Tag aufs neue. Der Punkt ist einfach, dass ich zwar viel ambulant manchen konnte, ich aber in der Zeit sonst nicht anderes machen durfte. Bei einer Leukämie wird das Immunsystem mit zerstört. Für die Dauer der Therapie. Unterdrückt und kaputt gemacht. Also war alles mit Menschen Tabu. Deshalb war es zwar nicht ein halbes Jahr im Krankenhaus, aber ein halbes Jahr quasi isoliert.

Hast du die Zeit positiv oder negativ in Erinnerung?

Schwierig zu sagen. Wenn ich sage positiv halten mich wahrscheinlich alle für verrückt. Aber eigentlich ist es so. Die negativen Dinge habe ich verarbeitet und die positiven bewahre ich mir. Wieso sollte ich denn jetzt trauern? Darunter leiden? Es ist doch vorbei. Ich habe keinen Grund und auch nicht das Recht dazu zu jammern. Ich habe Glück. Ich bin gesund. Wegen tollen Ärzten und super Familie und Freunden. Also positiv.

Wie hat es dich verändert? Was hast du gelernt?

Das finde ich schwierig zu beantworten. Es war ja in einem Lebensabschnitt, wo sich jeder irgendwie verändert. Sich selbst findet und kennen lernt. Und ich weiß ja nicht, wer ich jetzt wäre, wenn ich nicht krank gewesen wäre. Ich weiß nicht, wie mein Leben jetzt aussehen würde. Ich habe gelernt, dass man alles schlimme irgendwie meistern kann. Und das das Leben danach immer noch das selbe ist. Ich habe gelernt, dass man nicht eine Horde an Freunden braucht um zufrieden zu sein. Nur ein paar gute. Und, dass die Medizin verdammt spannend ist.

Hattest du durch deine Krankheit Nachteile? (In der Schule)

Da musste ich wirklich erstmal nachdenken. Mein Kopf war ja nicht krank. Also primär nicht. Ich hab ja auch regelmäßig so eine super Lumbalpunktion bekommen um zu schauen, dass nichts aufs ZNS übergegangen ist. Also da war alles paletti. Aber eine Kleinigkeit gab es schon. Als ich wieder in die Schule gegangen bin. Ich bin danach auf eine Realschule gegangen, eine neue Schule (das Jahr in dem ich krank geworden bin war ein Jahr, dass ich wiederholen musste, hätte das also zum dritten Mal machen müssen und bin dann lieber auf die Realschule). Niemand kannte mich also. Dann kam ich auch ein paar Wochen später erst dazu, weil ich noch in der Kur war. Niemand wusste, was mit mir war. Niemand wusste, dass ich krank war. Und erstmal hat auch keiner gefragt. Irgendwann ist dann der Knoten geplatzt und alle haben gefragt und geredet und waren unglaublich lieb zu mir. Meine Klasse jedenfalls. Auf dem Schulhof durfte ich mir dann öfter mal sowas anhören wie „bist du ein Mädchen oder ein Junge?“ „Mannsweib“ „Hässlich“. Nicht nett gemeint. Einfach beleidigend gemeint. Meine Klassenkameraden haben mich aber weheren verteidigt und wollten sich sogar für mich prügeln, also mir ging’s gut.

Und was schulisches angeht hat es mir eher noch was gebracht. Ich habe meine Präsentation für den Realschulabschluss über Leukämie gehalten und die Lehrer haben das dann irgendwann mit „du weißt das eh alles viel besser als wir, bekommst ne 1“. Quittiert.

Was waren deine Symptome, bevor du die Diagnose bekommen hast?

Viele blaue Flecken. Aber jetzt keine Angst, bin da vorher anfällig für gewesen und bin es immer noch. Also diagnostiziert euch jetzt bitte keine Leukämie. Es waren richtige Einblutungen ohne Grund. Als hätte ich einen schweren Unfall gehabt. Wirklich sehr extrem. Eine andere hatte allerdings eine Thrombose und auch Leukämie. Also möglich ist alles. Dann hatte ich noch immer mal Nachts Nasenbluten und geschwollene Lymphknoten. Da sind wir dann in die Notaufnahme der Uniklinik und ich wurde auch direkt in der Kinderonkologie aufgenommen.

Was waren deine Gedanken? Hattest du Angst zu sterben oder warst du sicher zu „gewinnen“?

Es wäre gelogen, wenn ich sage, ich hätte nie Angst gehabt. Man hat halt diese Momente. Aber alles in allem habe ich nie wirklich darüber nachgedacht. Ich hatte Angst, habe aber nie über den Tod nachgedacht.

So, ich habe euch immer noch nicht gesagt, wieso ich über den ganzen Quatsch rede. Die Antwort ist ganz einfach. Weil es mir gut tut. Mehr nicht.

Eure medimiri

Ich war mal krank, na und?

MU Pleven

So Leute,

ich hab ja angekündigt, dass es hier nicht nur um meinen Weg in der Medizin gehen soll. Ich will euch so viele Informationen über die Möglichkeiten in der Medizin geben, wie nur möglich. Und natürlich ab und zu mal eine Geschichte teilen von anderen in der Medizin. 

Worum geht es denn heute? Um die Möglichkeit im Ausland zu studieren. Wenn ich ehrlich bin, hatte ich das für mich nie so wirklich in Betracht gezogen. Wieso? Weil mir die Informationen gefehlt haben. Mir haben sowieso viele viele Informationen gefehlt. Deshalb mache ich das hier alles für euch. Ich will, dass ihr die Informationen die euch fehlen irgendwo her bekommt. Ich beantworte alle Fragen, die ich beantworten kann und helfen jemanden zu finden, der die Antwort kennt, wenn ich ratlos bin. 

Und deshalb hat mich die Liebe Alaa angeschrieben und gefragt, ob ich die medizinische Universität in Pleven (Bulgarien) nicht ein wenig vorstellen könnte. Sie selbst hat hier in Deutschland studiert, doch ihre Schwester hatte leider nicht das Glück (ja, man muss leider auch Glück haben um hier direkt einen Platz zu bekommen). Also hat sie es über Umwege (mal wieder dank mangelnden Informationen) versucht, einen Platz in Bulgarien zu bekommen. Da sich das als nicht ganz so einfach gestaltete, nahm Alaa das in die Hand und ist mit ihr nach Bulgarien, wo sie den Leiter des international Office kennen gelernt hat. Mit ihm hat sie vereinbart, dass sie für die Universität die Social Media Präsenz organisiert. Einfach ein Sprachrohr auf Instagram. Eine Möglichkeit für euch, einfach an Informationen zu kommen. Super Sache also! 

So viel zu der Geschichte hinter dem Account. Jetzt zu der Uni selbst. 

Die MU Pleven ist die älteste medizinische Universität in Bulgarien. Sie bietet den Studiengang Humanmedizin auf Englisch an und richtet sich nach internationalen Standards. Der Studienverlauf wurde extra so gelegt, dass deutschen Studierenden der Quereinstieg nach Deutschland ermöglicht wird. Man kann nach 2 Jahren wechseln ohne das Physikum nachholen zu müssen. Denn jedes Fach wird mit einer Physikumsäquvalenten Prüfung abgeschlossen. Außerdem gehören dort schon klinische Fächer von Anfang an dazu. Wie zum Beispiel Immunologie, Mikrobiologie, Virologie und so weiter. Fächer, die schon wirklich mit klinischen Fällen zu tun haben und die erst jetzt auf meinem Stundenplan stehen. Natürlich ist das ganze mit 3750€/Semester nicht gerade günstig und muss erstmal finanziert werden. Allerdings sind dort in dem Studentenstädtchen die Lebensunterhaltungskosten nicht vergleichbar mit denen in Deutschland. Mit ca. 300-400€/ Monat kann man gut leben. Und die Flüge nach Hause sind rechtzeitig gebucht auch günstiger als die Heimfahrt teilweise innerhalb Deutschlands. Zusätzlich wurde viel neu gebaut extra für die Studenten. Ein neues Pharma Zentrum, ein Hörsaalgebäude sowie 2 Laborgebäude. 

So, wie kommt man da jetzt rein? Es gibt Agenturen, die einen für viel Geld und nur mit Einser Schnitt rein bringen wollen. Es gibt aber auch bessere Möglichkeiten. Möglichkeiten selbst zu überzeugen. Denn die Noten sind nicht das, was einem zu einem guten Arzt macht. Und darum geht es. 

Übrigens: man kann dort auch mit Fachabitur Medizin studieren. 

Und für alle die jetzt neugierig geworden sind: die Universität hat vom 23.11.-25.11. einen Stand auf der „Einstieg Messe“ in München. Es wird eine Präsentation geben sowie die Möglichekit persönlich alle Fragen zu stellen. Schaut doch vorbei.

Und für alle, die nicht die Möglichkeit haben vorbei zu schauen, schreibt an den Account @MU_Pleven -> sie beantwortet alle eure Fragen! 

Eure medimiri 

MU Pleven

Nur ein Staatsexamen.

Was ist das denn, dieses „Physikum“? Genau genommen heißt es ja 1. Abschnitt der Ärztlichen Prüfung und ist ein Staatsexamen. Das 1. im Medizinstudium. Und genauer gesagt ist es erst die Hürde bevor es richtig los geht. Denn danach geht es daran etwas über Krankheiten und Behandlungen zu lernen. Man könnte es so sagen, dass man davor gelernt hat, wie der gesunde Körper aufgebaut ist und funktioniert. Und danach wie wir herausfinden was einem Körper fehlen kann, was das alles ist und wie man den Körper wieder gesund bekommt.

Aber was ist denn diese Prüfung jetzt? Die Medizinstudenten, oder die es mal werden, werden das schon grob wissen. Oder ihr habt es sogar selbst schon hinter euch. Für alle die sich da nicht ganz sicher sind, oder noch gar keine Vorstellung davon haben: Es ist aufgebaut aus einem schriftlichen und einem mündlichen Teil. Der schriftliche Teil erstreckt sich über 2 Tage mit je 4 Stunden. Der mündliche Teil findet in der jeweiligen Universität statt und dauert pro Prüfling ca. 1 Stunde.

Jetzt aber mal genauer. Wie habe ich mich darauf vorbereitet? Ich muss zugeben, ich hätte vieles besser machen können. Ich hätte früher anfangen können, vielleicht sollen. Ich hätte nach Lernplan vorgehen können. Der Punkt ist, in Frankfurt gibt es die berühmt berüchtigte Vierer-Klausur. Eine Klausur in Biochemie, Physiologie, Anatomie und PsychSoz. Auf Physikumsniveau. Die war am 6. Juli. Hätte ich dafür schon früher gelernt, wäre das gar kein Problem gewesen. Hab ich aber nicht. Und so ging Physiologie in die Hose. Musste ich nachschreiben. Hat auch geklappt… aber die Zeit ging dann dafür drauf. Und weil gerade Physiologie das Fach ist, welches am weitesten von Physikumswissen abweicht bei uns hat mir das nicht so unbedingt viel gebracht. Habe dann versucht mir einen Lernplan zu machen. Und mit Endspurt zu lernen. Der Lernplan sah vollgepackt aus bis oben hin. Die Menge nicht schaffbar. Ich bin nicht der Typ Mensch, der wirklich nur durch lesen lernen kann. Zumindest nicht so viel. Ich muss mir Notizen machen. Irgendwann war ich mit meinem Lernplan Tage hinterher. Also habe ich einfach ins blaue gelernt. Mit viamedici. Und habe gekreuzt, gelesen, gekritzelt. Die Notizen wurden unordentlicher. Die Motivation schwand und schwand. Oft habe ich nur ne Stunde was gemacht. Oder sogar gar nichts. Aber: es gab auch Tage an denen ich mich eingeschlossen habe. Und viel gelernt habe. Sehr viel. Die Zeit war also anstrengend und ich habe gelebt zwischen Stress, schlechtem Gewissen und Fakten die nicht im Kopf bleiben wollten. Anhand meiner Fehler gebe ich euch jetzt ein paar Tipps: 1. Wenn eure Zeit nicht mehr reicht für die Lernpläne von Thieme oder Medi-Learn und ihr euch einen eigenen machen wollt, plant genug Zeit ein! Lieber wenig jeden Tag und dafür durch bis zur Prüfung als die Tage voll zu packen und am Ende noch viel Wiederholungszeit zu haben! Der Motivation tut es gut, mal an einem Tag mehr zu schaffen als geplant. Nicht gut tut es ihr, ständig was schieben zu müssen. Also: lieber früher fertig werden als gedacht und dadurch Zeit zum wiederholen haben als welche einzuplanen und später fertig werden als gewollt! 2. Ich habe zu wenig gekreuzt! Ich dachte, wenn ich nicht alles gelernt habe, brauche ich auch noch nicht zu kreuzen. Falsch gedacht! Man hat ja alles irgendwie schon einmal gelernt. Also: Ab ans kreuzen! Hebt euch ein paar Jahre auf als Generalproben. Aber: kreuzen kreuzen kreuzen! So lernt man auch viel. 3. Mir hat es geholfen, nach Organsystemen zu lernen. Irgendwie hatte ich da das Gefühl ich hab ein umfangreicheres Verständnis gewonnen. Aber da ist jeder anders, also probiert euch aus!

So, nach der ganzen Lernerei kam der große Tag. Besser gesagt die 2 großen Tage (Tag1: Biochemie, Chemie, Physiologie, Physik; Tag2: Anatomie, Histologie, Biologie, PsychSoz).  An manchen Unis habt ihr die mündliche schon hinter euch. An manchen habt ihr danach noch genug Zeit. Ich habe meine Generalproben nur ganz knapp bestanden. War nicht so gut gegen die Nervosität. Aber eigentlich ist die schriftliche nicht anders als jede andere Klausur die ihr schon geschrieben habt. Sie ist vielleicht länger und fühlt sich „offizieller“ an. Aber es sind vertraute Gesichter, die um einen herum sitzen. Die Menschen, die Aufsicht haben sind meistens auch sehr nett und wollen nur das beste. Nehmt euch was zu essen und was zu trinken mit! Ich habe es nicht gebraucht, aber schaden kann es nicht. Geschrieben wird mit Bleistift. Dafür liegt auf dem Platz alles bereit. Also an Stiften braucht ihr nichts. Und dann geht es auch schon los! Schneller als man denkt sind die 2 Tage vorbei und die erste Hürde ist geschafft.

Was nun? Viele sind erstmal online gegangen und haben ihre Antworten beim Examensservice von medi learn eingegeben. Wie ihr sicher wisst nimmt man den Bogen mit den Fragen mit. Ich hab das nicht gemacht. Ganz ehrlich, ich war mit fasst sicher, dass es bei mir nicht gereicht hat. Und das wollte ich vor der Mündlichen nicht wissen, da ich nur eine Woche zum lernen hatte. Also lebte ich in angenehmer Ungewissheit. Und habe für das mündliche gelernt. Wie? Mit Vorlesungsfolien und Altprotokollen (bei uns gibt es die an der Uni, andere Unis müssen die sich bei Medi learn holen). Und ganz viel reden üben! Wer etwas erklären kann, weiß es auch. Und nur weil du es weißt, kannst du es noch lange nicht formulieren!

Der Tag der mündlichen Prüfung (Anatomie, Biochemie, Physiologie) war schlimm. Ich hatte meine Prüfung erst nachmittags. Davor war also viel Zeit für Panik. Unbegründete, sinnlose, lähmende Panik. Das wusste ich. Konnte aber nichts dagegen tun. Da ich in Anatomie die praktische Prüfung hatte (das wird zugelost) musste ich Mikroskopieren (informiert euch, das ist von Fach zu Fach und von Prüfer zu Prüfer anders!). Also, eine halbe Stunde Mikroskopieren. Und los ging es. nach und nach und nacheinander wurden wir (4 Leute) in allen Fächern geprüft. Zwischen zwei Fächern hat man so immer ca 45-60 Minuten Pause. Kann aber nicht raus gehen. Fast 4h sitzt man da also drin. Und hat jede Sekunde die Befürchtung: die nächste Frage kann ich vielleicht nicht beantworten! Leider kam ei mir auch so ein Moment. Mehrere solcher Momente. Und ich kann euch sagen: Das ist gar nicht schlimm. Die Prüfer helfen einem tatsächlich.

Und jetzt? Ist es echt vorbei? Ja, ist es! So schnell ging das. Gut, für euch war es nur ein Text. Aber auch tatsächlich ist es auf einmal vorbei, fühlt sich aber noch gar nicht so an. Wie immer, wenn man gerne noch mehr Zeit hätte. Und doch ist man danach froh, dass es so schnell vorbei war. Wie immer. Nichts besonderes. Nur ein Staatsexamen.

Eure medi miri

Nur ein Staatsexamen.

Ein Tag auf der IMC

Viele von euch machen ihr Praktikum bestimmt auf einer „normalen“ Station. Mit mobilen und vor allem stabilen Patienten. Man denkt zwar Krankenhaus ist halt Krankenhaus aber da gibt es schon Unterschiede. So ist der Alltag auf einer Überwachunsstation ein anderer als auf einer peripheren. Und weil den ein oder anderen vielleicht interessiert wie es so auf der IMC Abläuft, fasse ich das mal kurz zusammen.

Frühschicht

Schichtbeginn ist um 6:00. Man kommt auf die dunkle (also das ist dank der ganzen Monitore relativ) Station und steuert auf den Pflegestützpunkt zu. Die Nachtschicht ist entweder unterwegs in den Zimmern (es gibt immer was) oder versinkt im Halbschlaf in den Stühlen. Was sich beim Anblick der Frühschicht allerdings schnell ändert. Denn das Eintreffen dieser bedeutet: bald Feierabend. Dann gibts erstmal die Übergabe. Der Ansprechpartner der Nachtschicht gibt der Frühsschicht einen Überblick über Diagnosen, geplante Untersuchungen und Verlegungen, wichtige Neuigkeiten. Dann werden die Zimmer aufgeteilt. Im Allgemeinen sind es 4 Pflegis und jeder nimmt 4 Patienten. Dann übergibt die Nachtschicht ihre Patienten dem jeweiligen Zuständigen der Frühsschicht. Da gibt es dann genaueres. Was so passiert ist. Was so für Medikamente gegeben wurden. Wer besonders unruhig war. Und so Zeug eben. Dann beginnt jeder anders. Je nachdem eben. Es werden Medikamente gerichtet, der Bettplatzcheck wird gemacht (Alles da, was da sein soll? Alarme am Monitor richtig eingestellt? Funktioniert alles für den Notfall?). Manche schauen auch erstmal am PC was so in den Diagnosen genau steht, was die letzten Pflegis in die Berichte geschrieben haben und so. Dann werden auch schon die ersten Medikamente gegeben, Patienten bekommen ne Inhalation, Blut wird abgenommen. Dann ist es auch schon so um 8. Das heißt, Patienten waschen, Frühstück austeilen, gegebenenfalls auch Frühstück Anzeichen, während dem Waschen die Betten frisch beziehen. Medikamente werden immer wieder gegeben. Sind ja schließlich zu unterschiedlichen Zeiten angesetzt. Immer wieder muss bei manchen der Blutzucker und die Temperatur kontrolliert werden. Die restlichen Vitalzeichen werden zum Glück automatisch verfasst. Andere haben einen Dauerkatheter, der misst die Temperatur selbst. Urin muss generell bei allen Bilanziert werden, genauso die Flüssigkeitsmenge, die sie zu sich nehmen. Viele Patienten müssen gelagert werden und regelmäßig hoch gezogen. Und zwischendurch immer wieder alles dokumentieren. Um 10 frühstücken wir dann auch mal selbst. Doch meistens nicht alle zusammen und auch meistens mit Unterbrechungen. Denn neben den ganzen Dingen, die getan werden, haben die Patienten ja auch Anliegen. Also wird auch öfter mal nach der Schwester geklingelt.. oder gerufen… manchmal auch getreten. Denn manche Patienten sind nicht wirklich adäquat. Nicht ganz bei sich. Bei manchen ist das nicht so wild, die sind halt etwas verwirrt. Schwierig wird es, wenn sie dann der Meinung sind sie gehen jetzt. Ziehen alle Kabel ab. Ziehen sich selbst den ZVK und die Arterie. Und so weiter. Und ganz schwierig wird es, wenn sie dann auch noch handgreiflich werden. Dann kommt es auch mal vor, dass man einen Patienten fixieren muss. Zur eigenen und auch zu unserer Sicherheit.

Dann um ca. 12 wird Mittagessen ausgeteilt. Bis dann alle gegessen haben und dasdie Tabletts Weg geräumt und alle Patienten wieder im Bett, auf dem Mobistuhl, auf dem Toilettenstuhl sind ist es auch schon um 1 und die Spätschicht ist da. Übergabe, Zuteilung, genauere Übergabe. Die Stunde Überschneidung bis 14:00 wird meistens noch zum dokumentiere genutzt. 

Spätschicht

Nachdem dann alles übergeben wurde geht es meistens auch schon los mit Medikamente richten, Bettplatzcheck, schauen was so ansteht bei den Patienten, dokumentieren, lagern, hochziehen. Medikamente geben, abhaken, Blut abnehmen. Patienten müssen zu Untersuchungen, werden verlegt, bekommen Eingriffe am Bett. 16:00 ist dann auch schon Besuchszeit, da zieht man sich dann eher zurück. Wenn um 18:00 alle weg sind gibt es Abendessen. Wenn man selbst was essen will macht man das am besten während den Besuchszeiten. Abendessen heißt wieder Medikamente, Blutzucker messen, essen anreichen. Danach müssen dann viele mal auf den Topf oder saßen fürs Essen im Stuhl und wollen wieder ins Bett. Um 20:30 trifft dann die nächste Nachtschicht ein und lässt sich erzählen was am Tag so passiert ist. Um 21:00 ist dann Feierabend für die Spätschicht und es geht heim zum Schlafen, am nächsten Tag ist ne neue Schicht. 
Das war jetzt kurz knapp und grob wie es so auf ner IMC Abläuft. Und der Unterschied zwischen IMC und Intensiv ist im Prinzip, dass wir keine intubierten Patienten haben. Das wars. 

Ich hoffe das war jetzt informativ. Bei Fragen immer her damit. 

eure medimiri

Ein Tag auf der IMC

Ich, der Depp im Dienst – Pflegepraktikum

Sososo wieder was neues von der ollen. Mal gucken ob das was taugt.
Wie ihr wisst, oder es jetzt dann wisst, mache ich seit Montag (1.08.) mein Pflegepraktikum. Was das ist? Einfach etwas, dass Medizinstudenten noch mehr zu tun haben als sie es eh schon haben. 3 Monate lang im Weg rum stehen. So ungefähr. Wieso genau 3 Monate. Wieso genau in der Pflege. Wieso vorm Physikum. Wieso nach dem Abi. Darüber kann man sich streiten. Aber wie es so schön in der Krankenhauswelt läuft: Klappe halten und machen. Du als Student hast nix zu melden. 

Ich bin zwar noch keine Ärztin, aber Schweigepflicht hab ich trotzdem. Deshalb wird das hier so anonym gehalten wie es geht. Wenn ich über Patienten oder Personal schreibe verwende ich Decknamen und so weiter. Nicht wundern.

Mein Praktikum absolviere ich auf der IMC. Vielen von euch wird das ein Begriff sein. Mir war es das nicht. Deshalb kurz und knackig 

DocCheck Flexikon App
Ich mache das jetzt erstmal 2 Monate und dann nächstes Jahr noch einen. Ob auch da oder dann wo anders mal schauen. Aber erstmal bin ich hier und hier ists ganz gut. Die Stimmung so im Personal ist freundschaftlich. Bis jetzt waren alle nett. Auch lustig. Ärzte-pfleger Verhältnis ist gemischt. Das eine Ärzt (anonym, no gender telling und so) quatsch viel mit Pflegern, wird auch ins Essen bestellen einbezogen. Super Verhältnis. Mögen alle. Das andere Ärzt scheint für nervig befunden zu sein. Scheint noch ein jung geschlüpftes Ärzt zu sein. Braucht noch Flughilfe. Wird aber trotzdem nett behandelt. Hintenrum gibts ja immer was. Es scheint auch innerhalb der Pflege so zu sein, dass die ganz neuen eher kritisch betrachtet werden. Müssen sich erst beweisen. Aber so isses nunmal. 

Montag

Erster Tag. Aufgeregte Miri. Die erste Hürde war ja hoch zu gehen und die Wäschekarte abzuholen. Dann den Wäscheautomat zu finden. Und dann einen Ansprechpartner zu finden. Ja und als das geschafft war. Miri in blau-weiß. Saß ich am Tisch und hab bei der Übergabe zugehört. Also da, wo die alle auf einmal Chinesisch konnten. So n paar Begriffe kannte ich aus Greys Anatomy, aber das will man ja nun auch nicht zugeben. Dann war ich zugeteilt und verwandelte mich in Dackel-Miri. Kein Plan von nix also laufen wir mal hinterher. Klar war mein Pflegi (das Pflegi, Nomen, deutsch, die Pflegi Pl) nicht so begeistert dass ich sowas noch nie gemacht hab und somit alles (Blutzucker, Subkutane Spritzen, BGA, etc) nicht beherrschte. Aber hey. Praktikanten sind halt nutzlos. Habe eifrig zugehört, zugeschaut. Medikamente aufgezogen (welche Kanüle nochmal? Sorry aber wie viel ml waren das nochmal? Wie heißt das wieder?), den Bettplatzcheck beobachtet, Temperatur gemessen, alles wieder vergessen. Namen? Was gehört an den Bettplatz? Wie hießen die Medikamente? Alles wieder weg. Und Menschen, die sowas schon Jahre lang machen neigen dazu, zu denken, dass man das nach einmal sehen kann weiß und macht. Falsch gedacht. Miss Medizinstudentin braucht 10739209262 Anweisungen. Verzögert alles. Geilo. Dann kam ein anderes Pflegi und hat mich ausgeliehen. Ja ausgeliehen. Zum Patienten umlagern. Danach sollte ich diesem Pflegi weiter helfen. Waschen und so. Und füttern. Aber nein, das sagt man nicht. Man füttert Tiere, Menschen reicht man an. Aber ein Baby füttere ich ja auch. Und alte Menschen sind ja fast sowas ähnliches. Finde ich. Dummerweise war diese Person eine isolierte und ich war in voller Montur beim Füttern. Und die dumme Miri rennt natürlich mit dem Tablett und voll bekleidet durch die Gegend. Bis mich jemand darauf hingewiesen hat dass das nicht so super ist. Ok, ist notiert. Daaaann durfte ich noch mit einem anderen Pflegi, wobei dieses Pflegi eigentlich ein Arzthelfi ist, Medikamente einräumen. Außerdem hab ich ne BGA gemacht. Und natürlich Bettöpfe weggebracht. Yay. 

Dienstag 

Da war ich direkt bei dem Pflegi das mich ausgeliehen hat und ich durfte direkt 3 Personen alleine waschen und eine Füttern. Dabei habe ich den Fehler gemacht bei einer Person bei den Füßen zu beginnen. Joa. Macht man nicht. Also muss Miri neues Wasser holen und oben anfangen. Da war jetzt nicht so viel neues. Wobei, Blutzucker hab ich noch gemessen. Und dann, dann hab ich Wägen aufgefüllt. Spritzen, Schläuche, Kompressen, Pflaster… 

Mittwoch

Und dann… Das erste Mal Spätdienst! Uhhh Miri ist wieder aufgeregt. Alles ist neu. Ich bin ganz alleine im Spätdienst (keine andere Praktikantin). Und ich hab keine Ahnung was ich tun soll. Alles ist aufgefüllt. Alle wuseln rum. Miri ist im Weg. Also musste ich nerven und wurde dann letztendlich einem Pflegi zugewiesen. Da hab ich mich dann so überflüssig gefühlt. Irgendwie war nicht so viel zu tun. Und das einzige was ich tun konnte war essen austeilen. Und das läuft so, dass ich erstmal die Pflegis Frage wer in deren Zimmer essen darf. Dann frage ich diese Personen was sie essen wollen. Dann gehe ich in die Küche und puzzel das zusammen und dann Teile ich es aus. Auch wenn wir nur 16 Betten haben dauert das ewig. In der Zwischenzeit haben die anderen bestellt und gegessen und ich saß dann hinterher alleine da und hab gegessen. Naja.  

Donnerstag 

Frei!!

Freitag

Und Freitag. Der Freitag war super. Mein Pflegi war klasse. Hat mir alles nochmal erklärt (auch das, was ich schon gehört haben muss) und hat mich ne Spritze setzen lassen. Hat mich nicht zu niederen Arbeiten verdonnert sondern so viel es geht gezeigt und erklärt. Und dann hab ich noch bei einer Punktion assistiert. Also dem Arzt. Also Desinfiziert und den Beutel ausgefaltet und Tupfer aufs sterile Tuch geöffnet. Und beim Sono hat er mir gezeigt wo die Flüssigkeit ist und wo er durch pieksen muss. Und und und. Das war schon super auch wenn mir nach 2 mal eine Person für einen Einlauf festhalten der Rücken weh tut. Aber was anstrengend ist macht mich nur stärker. 

Insgesamt

Also ich muss sagen ich hab mir das alles viel schlimmer vorgestellt. Ich dachte auch, dass meine Ekelgrenze viel niedriger liegt. Eigentlich bin ich sehr geruchsenpfindlich und ekle mich schnell. Aber ich finde das alles voll ok. Ich wischen Personen den Arsch ab. Wasche Männer auch im Intimbereich. Creme Füße ein. Alles kein Problem. Und manche Patienten sind auch echt cool. Mit denen kann man sich super unterhalten. Achja, sind alle schon relativ alt. Falls es euch interessiert. Und größtenteils auch nicht so mobil. 

Ich weiß, es gäbe noch viel mehr zu sagen. Aber fürs erste sollte das reichen. Falls ihr Fragen habt, immer her damit. Wenn ich ein bisschen mehr gearbeitet hab gebe ich auch nochmal ein Feedback. 

eure medimiri

Ich, der Depp im Dienst – Pflegepraktikum